08.01.18 NRW Arbeits- und Ausbildungsmarkt 2017

Pressemitteilung der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen vom 20.12.17

 

"Große Nachfrage nach Arbeitskräften, rückläufiges Angebot

Pressemitteilung Nr. 40 / 2017 – 20.12.2017


NRW Arbeits- und Ausbildungsmarkt 2017


Große Nachfrage nach Arbeitskräften, rückläufiges Angebot:
Zeit, in Menschen zu investieren


Rekordnachfrage nach Arbeitskräften, immer mehr Menschen in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung: Die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt hat in NRW 2017 zu weiter sinkenden Arbeitslosenzahlen geführt. Zum Ende des Jahres erwartet die Bundesagentur für Arbeit eine durchschnittliche Jahresarbeitslosigkeit in NRW von 702.290 Arbeitslosen –23.363 arbeitslos gemeldete Menschen oder 3,2 Prozent unter dem Vorjahr. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozentpunkte auf 7,4 Prozent. Trotz einer leichten Erhöhung der Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge kam der Ausbildungsmarkt nicht in Fahrt.

„Der Aufschwung am Arbeitsmarkt hat sich 2017 im dritten Jahr in Folge fortgesetzt“, sagte Christiane Schönefeld, Vorsitzende der Regionaldirektion NRW, am Dienstag, 19. Dezember in Düsseldorf. „Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen lag durchgehend, Monat um Monat, auf dem niedrigsten Stand seit 1992. Im Jahresdurchschnitt liegen wir in NRW um rund 23.000 Personen unter der Arbeitslosigkeit des Vorjahres. Über diese Entwicklung freuen wir uns sehr.“

Der Aufschwung am Arbeitsmarkt kam besonders jungen Menschen zugute. „Die Jugendarbeitslosigkeit ist 2017 in NRW auf ein neues Rekordtief gesunken. Im November hatten wir mit 57.110 arbeitslosen jungen Menschen in NRW die niedrigste Zahl arbeitsloser Menschen unter 25 Jahren seit Beginn ihrer statistischen Erfassung Anfang der 90er Jahre. Im Jahresdurchschnitt von rund 64.500 arbeitslosen Jugendlichen ist die Jugendarbeitslosigkeit 2017 auf ein historisch niedriges Niveau gesunken. Gut ausgebildete junge Menschen haben derzeit gute Chancen am Arbeitsmarkt. Fachkräfte werden gebraucht. Für uns ist die gute Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit besonders erfreulich, da die Arbeitslosigkeit jüngerer Menschen seit vielen Jahren ein besonderer geschäftspolitischer Schwerpunkt der Agenturen für Arbeit ist.“ Auch die Ankunft von rund 10.000 jungen Menschen mit Fluchthintergrund hat der Arbeitsmarkt auffangen können.

Im Rückblick habe sich der Arbeitsmarkt besser entwickelt, als die Bundesagentur für Arbeit für 2017 erwartet hatte: „Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend: Der Arbeitsmarkt hat sich sehr aufnahmefähig gezeigt. Ein Indiz ist die Zahl der neu angebotenen freien Stellen: Mit über 500.000 offenen Stellen haben wir in diesem Jahr die stärkste Nachfrage in NRW seit den 70er Jahren gehabt.“ 517.754 Stellen wurden den Agenturen für Arbeit im Laufe des Jahres 2017 neu gemeldet. Im September wurde erstmalig die Marke von 6,8 Millionen sozialversicherungs-pflichtigen Beschäftigten überschritten. Zudem habe die Bundesagentur für Arbeit mit einer höheren Arbeitslosigkeit geflüchteter Menschen in NRW gerechnet: „23.500 Menschen fanden eine Arbeit. Viele Menschen sind sehr motiviert. Viele haben über das ganze Jahr Sprach-, Integrations- und Qualifizierungskurse besucht. Das ist ein Erfolg: Für die Menschen, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland sind und vor allem die Sprache erst lernen mussten, aber auch gesamtgesellschaftlich: Ohne die Bereitschaft zum Engagement für diese Menschen wäre das nicht möglich gewesen.“ Die Aufgabe werde im kommenden Jahr aber nicht geringer, sagte die Arbeitsmarktexpertin: „Viele Menschen werden auch Anfang 2018 ihre Kurse beenden. Sie benötigen dann eine Chance, sich am Arbeitsmarkt zu bewähren.“ Mit maßgeschneiderten Programmen und Fördermöglichkeiten unterstützen die Agenturen für Arbeit Arbeitgeber, die geflüchteten oder auch geringqualifizierten Menschen eine Perspektive auf Arbeit geben: „Die Herausforderung für alle Partner am Arbeitsmarkt bleibt auch 2018 bestehen.“


Warnsignale: Langzeitarbeitslosigkeit und Ausbildungsmarkt

„Wir sehen am Arbeitsmarkt des vergangenen Jahres aber auch Warnsignale für NRW‘, sagte die Arbeitsmarktexpertin: „NRW verschenkt zu viele Potentiale. So setzt 2018 der demografische Wandel ein, dann gehen die ersten Babyboomer in den Ruhestand.“ Das durchschnittliche Renteneintrittsalter liegt in NRW bei 63 Jahren, in den kommenden fünf Jahren werden rund 500.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der Erwerbstätigkeit ausscheiden. „Wenn wir die Potentiale auch bei Menschen, die schon länger arbeitslos sind, nicht abrufen und auch der Ausbildungsmarkt nicht richtig Fahrt aufnimmt, werden wir kaum einen das Wirtschaftswachstum gefährdenden Fachkräfteengpass vermeiden können“, sagte Schönefeld. Mit 116.697 Ausbildungsverträgen wurden 2017 1.980 Verträge oder 1,7 Prozent mehr als vor einem Jahr abgeschlossen, als die Zahl der neuen Ausbildungsverträge auf einen historischen Niedrigstand gesunken war. Auch 2017 gab es in NRW mehr Bewerber als freie Lehrstellen. Dass 2017 mehr Jugendliche unversorgt und mehr Lehrstellen unbesetzt blieben, sieht Schönefeld mit Besorgnis: „Wir benötigen in NRW eine größere Bereitschaft, Jugendlichen, die nicht hundertprozentig die Anforderungen erfüllen, eine Chance zu geben. Das gilt auch für langzeitarbeitslose Menschen, die eine Chance in Betrieben brauchen. Die Agenturen für Arbeit können Arbeitgeber- und Ausbilder dabei auf vielfältige Weise unterstützen.“ 2017 sank die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen jahresdurchschnittlich auf 294.311 Personen, die bereits länger als ein Jahr arbeitslos sind.

Auch zu erwartenden Produktivitätsgewinne durch Digitalisierung und Automatisierung werden nicht vollumfänglich eine Antwort auf einen möglichen Fachkräftemangel geben, ist die Arbeitsmarktexpertin überzeugt: „Durch Digitalisierung verändern sich viele Berufsfelder, die Arbeitsplätze fallen aber nicht weg. Ohne verstärkte Bildungsangebote und Anstrengungen und ohne einen Einstieg in lebenslanges Lernen werden viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihren Beruf nur noch schwer ausüben können. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen kann dies zu einer Belastung werden“, sagte Schönefeld.

Deshalb sei es jetzt, da der Arbeitsmarkt im konjunkturellen Aufschwung sei, an der Zeit, in Menschen zu investieren: „NRW muss die Potentiale der Menschen nutzen. Auch Menschen, die lange arbeitslos waren und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen haben Stärken. Menschen ohne berufliche Ausbildung können mit Qualifizierungen zu leistungsfähigen Fachkräften werden. Und schließlich können auch junge Menschen mit nicht ganz so guten Noten durch die richtige Förderung zum begehrten Fachkräftenachwuchs werden. Es kommt darauf an, ihnen eine Chance im Betrieb oder Unternehmen zu geben.“ "

 

Quelle: Pressemitteilung der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen vom 20.12.17